Was den Michel „movt“

Movt. Kommt von „to move“ oder „moving“. Englisch: „bewegen“ oder „umziehen“(von einer Wohnung in die andere, nicht etwa um… naja, ihr wisst schon!)

Die Chefredaktionsetage des MICHEL (das sind die Männer, die in den vollverspiegelten Hochhäusern gaaaanz oben ihr Büro haben!) hat sich aufgemacht, mal nach echten Männerträumen zu suchen. Schweres Unterfangen: wo anfangen? Weiber? Waffen? Drogen? Autos?

Weiber: haben wir daheim – fällt aus!
Waffen: zu ge-fäääährlich!
Drogen: An der Tanke!
Bleiben Autos!

Es dauerte. Autos. Naja! Die heutigen? Kennst Du welche? Ich meine: Stell´ Dir vor, Du hättest keine Geldprobleme: was würdest Du fahren? Da die meisten  Männer schon lügen, wenn sie „Ich“ sagen, sehen ihre Autos auch so aus – was also fährt einen stilsicher aus dem Dilemma? Der MICHEL fand: es kann nur ein Old- bzw. Youngtimer sein!
Internet macht´s möglich, die geeignete Oldtimer-Garage ausfindig zu machen und so landete die Chefetage eines schönen Samstags am Bodensee in einer Halle voller Boliden. Pilgrim, Falcon, Duke und Marlin heißen Modelle, die vornehmlich aus GFK gefertigt werden, limitiert und jedes Stück ein Unikat! Motorisiert mit handelsüblichen Motoren von MG, Ford oder VW – aber Augenweiden voller Chrom! Der Fahrspaß beginnt bei runden 10 TSE (in Worten: zehntausend Euro) – natürlich nach oben offen! Leider war das Problem im Falle MICHEL ein eher orthopädisches: Die wunderschönen Replicas in der Halle waren für eine Körpergröße von über 185 cm absolut unbequem! Daher die Bemerkung in Richtung amerikanischer Oldtimer und deren Platzangebot.

Tja, wie das unter Männern so ist: Man wird sofort verstanden, eine weitere Halle eröffnete sich uns nach 15 Minuten und wir standen vor den irrwitzigsten Modellen der Vor- und Nachkriegszeit!

Im Gegensatz zur vorherigen Halle, die einer riesigen Privatgarage mit Zentralheizung und wöchentlichem Putzservice glich, lag über all den nun präsentierten „sleeping beauties“ eine leichte Staubschicht, die nach Arbeit roch: hier wurde gerade noch an einem rot-schwarzen Austin Healey gearbeitet – der einzige Wagen, der staubfrei war. Aber der Bristol daneben: völlig eingestaubt! Und der Facel Vega? Da lag ein Abdecktuch zerknüllt auf der Heckklappe! Der sympathische Bartträger mit schwäbischem Akzent ermunterte uns „Nur zu: da könne se sich scho reinsetze!“ Gesagt getan – und schon saß der eine im Vega (welche Skulptur!!!), der andere im E-Type („Was für ein Sound!“) und der Dritte im  39er Ford Sedan „Endlich Platz“.

Die zweite, angrenzende Halle des Besitzer war sauberer, fast clean. Ein weiterer Sedan in bordeaux rot war zu bestaunen und einer der vier Excalibur, perlmuttmetallic – noch Fragen?

Die dritte Halle war eher eine bessere Garage, ein kleiner Fußmarsch entfernt, aber durchaus der Mühe wert: Vor der Garage unter einer Plane ein Teileträger, dem Kenner ist sofort klar, dies ist ein FIAT 1500. Ein weiterer (aber Modell 1200!) war aufgebockt über den Köpfen! Knallrot wartete das Chassis auf den Einbau von Motor, Getriebe und Fahrgestell – aber danach hatte man einen Neuwagen unter dem Allerwertesten! Eingeparkt neben zwei weiteren Exemplaren stand das Highlight: ein Facel Vega Cabrio! Silber und schwarz, ganz klassisch! Und: komplett! Nicht mit der Volvo Maschine als Ersatz für einen sauer gefahrenen Motor – nein, ein echter, originaler Facel Vega Motorblock unter der Haube!

What a car, what a beauty, what a day!
Es gibt sie noch: die echten, die alten, die originalen! Dieser Samstag hat es wieder einmal gezeigt: es lohnt sich, sich aufzumachen für eine eigene Geschichte, für einen eigenen Traum – for a own car!
MG

Ach übrigens: Eine Woche später rief mich der Hallenbesitzer an und wollte wissen, ob ich nun kaufen wolle. Natürlich druckste ich ein bischen herum (soooo gut geht´s der Chefetage des MICHEL ja nun auch nicht!), drehte aber irgendwann das Gespräch herum und wollte wissen, warum er denn eines seiner Schäfchen schnöde verkaufen wolle. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen:

„Ich brauch` den PLAAAAAATZ!“