Retro Classics Stuttgart

Der Freitag der 23ste März war ein ausgesprochen sonniger, frühlingshafter Tag. Wir freuten uns früh morgens noch vor der Sonne aufzustehen, um nach Stuttgart zur diesjährigen RETRO CLASSICS zu fahren ...

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... unser persönlicher Saison-Auftakt sozusagen. Beschilderung und Parken war ebenso wenig ein Problem wie das Ticket lösen, dank EC Karten Terminal. Dann waren wir drin, im Oldtimer Paradies!

Zugegeben, unsere Erwartungen waren hoch – immerhin nach dreistündiger Anreise wollten wir eigentlich erst einmal einen guten Kaffee zu uns nehmen (oder wahlweise durch ganz besondere Preziosen mental wieder gefordert werden): doch weder der gute Kaffee war zu haben (flächendeckend nur WMF Automaten) noch die automobilen Besonderheiten, die einem den Atem nehmen – wir hätten da schon an einen Kaiser Darrin oder einen Düsenberg gedacht; im Homeland von Mercedes und Porsche müsste sich doch jemand finden lassen, der den angestammten Hochadel mal etwas Paroli bietet…

Wir schlenderten durch die Hallen und stolperten immer öfter über nagelneue Fahrzeuge fast aller bekannten Hersteller. Der neue Rolls war ebenso zu bestaunen, wie die Neuversionen des JEEP, Mercedes hatte allerorten immer mal wieder im Einzel, im Duo oder im Trio etwas Neues ausgestellt, Masarati und Ferrari ebenso – nur: wer will das auf einer Oldtimer Messe sehen? In der Schule hätte einen der Lehrer mit einem „Thema verfehlt! Sechs! Setzen!“ zur Raison gebracht. Doch in der freien Wirtschaft - unter uns „Erwachsenen“ also! - ist Etikettenschwindel ja mittlerweile Standard geworden: wunderschön belegbar durch die Pagode mit AMG Motorisierung (siehe Bild), angeblich von einem japanischen Kunden in Auftrag gegeben – dass es im „Land des Lächelns“ für uns Europäer so manch Lächerliches geben mag, ist hinlänglich bekannt. Nur auch hier: Thema verfehlt – wir befinden uns auf einer OLDTIMER MESSE (und NICHT auf einem TUNING Event)!!!

Dies ist im übrigen ein Umstand, der der Messe-Leitung angelasted werden muss: eine „künstlerische“ oder zumindest entsprechend dem Thema „ge-briefte“ Messe-Leitung hätte dafür Sorge tragen müssen, dass so viele Fehltritte eben nicht passieren. Aber, wie so oft, wer den (vermutlich viel zu teuren!) Messestand bucht, der kann eben auch ausstellen, was er für Richtig hält…

Um besagte Neuwägen gruppierten sich dann – markenspezifisch sortiert – entsprechend hochwertig restaurierte Klassiker, die angesichts neuester Präsentationstechnik und schwindendem Vertrauen in klassische Anlageformen als willkommene Alternative zum Wertpapier herhalten sollen. Dem interessierten Laien wird der Unterschied zwischen einer Mercedes Pagode für 54.000 Euro und einer für 84.000 Euro in keinster Weise transparent, zumal beide Fahrzeuge auch für Laien sofort ersichtliche Mängel aufweisen (Lack-Abplatzer an den Stellen, wo das Hardtop greift, beispielsweise).

Was dem Laien allerdings sofort auffällt, ist der Umstand, dass die teuren Messestände ja irgendwie finanziert werden müssen – so erklären sich die mittlerweile hinlänglich bekannten „Messepreise“ ja nicht nur im Hotel- und Gaststätten-Gewerbe – nebst vielfach in schwarz gekleidetem Standpersonal, ganz der Banker der Zukunft eben.

Doch wie bei Banken auch: wer auf die Großen setzt, verliert den Kontakt zum Volk und damit die Bodenhaftung. Im Klartext: wer ausschließlich Schönheits-Chirurgen, Star-Anwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater von Großkonzernen zu seinem (hoffentlich wenig sachkundigen!) Klientel rechnen möchte, wird in unseren Tagen sicherlich bald baden gehen. Ehrlich währt am Längsten, das gilt eben auch für das wunderschöne Hobby Oldtimer. Wir freuen uns auch die KLASSIKWELT BODENSEE, wo wir aus Erfahrung wissen, dass dort noch der Enthusiasmus die Federführung inne hat! Jungs aus Friedrichshafen: wie schon zum Auftakt ins Stammbuch geschrieben: Haltet durch und ihr werdet die TECHNO CLASSICA in Essen in die Tasche stecken (die RETRO CLASSICS ist dann eh nicht mehr der Rede wert!!!).


<< zurück | 09.12.2011 - 19:10 - © by Manuel Gollek
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