KT und Deutschland

Ich schmunzle allmählich immer mehr über all die aufbrausende Empörung im Land zum Thema „KT“: da mandelt sich eine Nation von ...

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Sehr geehrter Herr di Lorenzo,
 

gerade habe ich zwei Seiten Lesermeinungen studiert, die sich auf das Vorab Interview beziehen. Was Sie selbst dazu gesagt haben, konnte man lesen – und das war gut so.

Ich schmunzle allmählich immer mehr über all die aufbrausende Empörung im Land zum Thema „KT“: da mandelt sich eine Nation von Weißwäschern auf, genau zu wissen, was recht und unrecht ist und tut dabei so, als ob sie selbst noch niemals etwas nur entfernt unrechtes begangen hätten! Da hat wohl noch niemand abgeschrieben, da hat niemand die Erfindung eines anderen geklaut und verkauft, da hat noch niemand seinen eigenen Vorteil genutzt und andere mit Auftreten, passender Kleidung und weiteren, handelsüblichen Accessoires geblendet. Da hat auch niemand die Verkehrsregeln verletzt oder die Steuer ein wenig manipuliert! Nein, nein, wir sind ein besonders braves Völkchen, sitzen artig bei der Arbeit, verrichten gerne unbezahlte Überstunden und engagieren uns allesamt in mindestens siebzehn ehrenamtlichen, karitativen Einrichtungen! In diesem unserem Lande hat es auch niemanden gegeben, der Gammelfleisch verkauft hätte oder geklaute Autos, es gibt auch keine Mineralölkonzerne, die ihre Benzinpreise immer zu Ferienbeginn drastisch erhöhen, es gibt auch keinen Einzelhandel oder Gastronomie-Betrieb, der mit dreistelligen Aufschlägen Endverbraucherpreise kalkuliert!
 

Welch Paradies muss Deutschland sein – ich würde auch gerne dort wohnen!
 

Dass die Affäre Guttenberg aber ganz andere Zusammenhänge deutlich macht und dies nun wirklich niemand sehen will, DAS empört mich zutiefst! Warum? Weil es am Doktorvater liegt, der seine Arbeit zwar bezahlt bekommt, aber schlicht nicht verrichtet! Von einem echten Doktorvater hätte man erwarten müssen, dass er „KT“ väterlich zur Seite nimmt und ihm nahelegt, dass ganze Unterfangen schlicht zu knicken oder sich noch einmal GANZ GEHÖRIG auf den Hosenboden zu setzen! DAS wäre political correctness gewesen! So aber schützt die bundesdeutsche Medienlandschaft ein seniles Hochschulpersonal, das es sich selbstgefällig bei Gott nicht nur in Bayreuth sehr bequem gemacht hat.
 

Wie kann es sein, dass akademisches Arbeiten unter Vorgesetzten (also dem Doktoranden und dem Doktorvater) schlicht durch gewunken wird? Wie kann es sein, dass ein Doktorvater im biblischen Alter von 75 immer noch in Amt und Würden steht? Wieso ist der Mann nicht längst im wohlverdienten Ruhestand? Wieso nimmt kein Medium die absolut indiskutable Haltung  der Universität Bayreuth auf´s Korn? Warum darf eine derartige Universität überhaupt noch Studenten ausbilden?  Ich würde mir zu allzu gerne vorstellen, dass in zwanzig Jahren ein Uni-Abschluss aus Bayreuth nirgends mehr anerkannt wird und mit einem nachsichtig-mildem Lächeln an den Bewerber quittiert wird. Zu Zeiten eines Konsul Weyer war es egal, welchen Titel man sich wünschte: man musste das entsprechende Bündel Scheine auf den Tisch legen und gut war´s. Damals hat sich Deutschland über den „Titel-Konsul“ flächendeckend amüsiert – damals waren wir also irgendwie „besser drauf“, oder?
 

Und wenn wir schon am Kritisieren sind: Politiker kann jeder Wurstbuden-Besitzer werden: an die Geschicke des Staates lässt man jeden ran. Ausbildung? Unnötig! Wieso muss man sich als Bürger in einem Land wie Deutschland eigentlich noch um einen Abschluss bemühen? Es ist Politikern auch gestattet, zig Aufsichtsposten in der Wirtschaft zu „bekleiden“ und sich angeblich noch im Vollerwerb (vulgo: 40 Stunden die Woche!) „für Volk und Vaterland“ einzusetzen. Allein rechnerisch ist eine Tätigkeit auf mehreren Posten nicht zu leisten, womit offensichtlich ist, dass es sich hierbei entweder um Schmiergeld handelt oder um Vaterlandsverrat: einem Soldaten oder Zivildienstleistenden (beide juristisch betrachtet im Staatsdienst) war es bei Strafe untersagt, sich am Wochenende anderweitig zu beschäftigen (sprich: Geld zu verdienen!); der „Ertappte“  hat sich der „Wehrkraftzersetzung“ schuldig gemacht und musste in den „Bau“. Aber um George Orwell zu zitieren „Manche Tiere sind eben gleicher als andere!“.
 

Um den Kreis zu Herrn zu Guttenberg zu schließen: wir müssen anerkennen, dass wir in einem Land der Egomanen leben, bei dem das politisch-korrekte Kernmotto (und nicht nur das bei der Postbank!) lautet: „Unter´m Strich zähl´ ICH!“.
Was will man also Herrn zu Guttenberg vorhalten? Dass er den Unterschleif versucht hat? Nennen Sie mir einen, der das noch NICHT probiert hat – ist halt bislang nicht so ans Tageslicht gekommen.
 

Ihnen in Zukunft eine schöne ZEIT,
 

Manuel Gollek  
 


<< zurück | 09.12.2011 - 19:10 - © by Manuel Gollek
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