Jugendstil italienisch

252.JPG

Jugendstil italienisch

Wir sind sogenannte „Best-ager“ und natürlich – das mag am Alter liegen - immer auf der Suche nach dem Besonderen. Da liest man Reiseführer, Magazine, hört schon mal den Eltern zu (und blättert daraufhin im „Baedecker“, in alten „Merian-Heften“ oder im „guide bleu“) – aber man konsultiert natürlich auch das Internet. Dort wurde meine Frau dann fündig und stellte mich vor drei Alternativen: zwei Wellness-Hotels und ein Romantik-Hotel am Gardasee: ich könne mir eines aussuchen. Die Wahl war klar, denn das Romantik-Hotel hatte den „Apostroph“ Jugendstil: das wollte ich mir ansehen, das musste ich erleben!

Ich konnte nicht ahnen, dass wir uns auf eine Zeitreise einlassen würden, im besten Sinne des Wortes. Von Norden kommend, nahmen wir die den See umrundende Landstraße auf der Westseite des Gardasees entlang gen Süden und fanden das Hotel Laurin direkt an der Straße in Salo liegend vor. Prachtvoll lag sie da, die ehemalige Villa Isabella des Signore Riccardo Simonini aus dem Jahre 1905. Wir parkten auf dem hoteleigenen, bekiesten Stellplatz, der einen Teil des ehemaligen Parks in Anspruch nahm und checkten ein. Dieser an sich selbstverständliche Vorgang lies uns schon in eine völlig andere Welt eintauchen, die Welt des fin de ciecle und des Jugendstiles. Die Eingangshalle und der Rezeptionstresen sind so dezent der Zeit nachempfunden bzw. aus der Zeit möbliert, dass man den Atem anhalten möchte. Die Blumenbouquets, dezent und geschmackvoll gewählt, stets frisch und opulent zusammen gestellt, runden ein an sich schon stimmiges Bild perfekt ab. Eine fließend deutsch sprechende Dame an der Rezeption managte die Formalitäten und führte uns in den zweiten Stock auf unser Zimmer, das selbstverständlich „up gegradet“ war – dem Umstand geschuldet, dass wir in der Vorsaison unterwegs waren. Leider hatten wir nicht das Vergnügen in einer der Suiten zu nächtigen: diese sind perfekt in art nouveau eingerichtet und verfügen zum Teil über einen eigenen Balkon; aber das im siebziger / achtziger Jahre Stil eigerichtete Zimmer, das wir die kommende Nacht bewohnen sollten, konnten wir uns in keinster Weise beschweren (auch wenn hier und da ein wenig „Reparatur-Stau“ zu bemerken war). Wir beschlossen im Hoteleigenen Restaurant zu Abend zu essen und wurden eine Stunde später sprachlos an unseren Tisch geleitet: eine Art Ballsaal in komplett erhaltener Art des Hauses empfing uns auf Mosaikboden, über uns prangten zwei wunderbare Deckenlüster teuerster Machart aus der Zeit, Möbel, Besteck; Glasornamentik und Fenster: alles perfekt erhalten oder feinst restauriert machten es kaum möglich „normal“ zu atmen: wir waren überwältigt und begeistert! Das mehrgängige Menü war eigentlich eine Ablenkung von der Hauptsache: dem Privileg einen derartigen Raum mit derartigem Personal für einen Abend lang genießen zu dürfen. So lustwandelten wir durch den Abend, mit dem Ergebnis für zwei weitere Nächte dieses wunderbare Hotel zu buchen! Wie kommt es dazu, dass eine derartige Lokation - ein wahres Kleinod der Kunstgeschichte - heutzutage als Hotel buchbar ist? Dieser Verdienst liegt in der Familie Rossi, die Anfang der sechziger Jahre die ehrwürdige Villa Isabella den Erben des Riccardo Sirmione abkaufte und zum Hotel wandelte. Die Zeichen der Zeit strichen auch über dieses Anwesen, das einst fast den gesamten Hügel eingenommen hatte; aber das „Auf und Ab“ der Zeiten, die Notwendigkeiten und Bedürfnisse der Kommune reduzierten die Fläche und legten die den Gardasee umrundende Straße nahezu direkt vor das Hotel – ein Umstand, der den Betreibern Kopfzerbrechen macht, denn nicht alle Hotelgäste stellen den Umstand der historischen Besonderheit nicht unbedingt vor ihr Bedürfnis nach Ruhe und Abgeschiedenheit: da kann ein mitternächtlicher Mofa-Fahrer schon mal für Unmut im Urlaub sorgen… Aber der Italiener nimmt solcherlei ohnehin gelassen und ein Deutscher sollte sich darauf besinnen, dass er eben in Italien ist – immerhin können wir ja das „dolce fa niente“ nirgends besser lernen: eine Flasche „Luganer“ kann dabei sehr hilfreich sein… Wer einen ganz besonderen „Hideout“ am Garadsee sucht, besonderen Service zu schätzen vermag und in der Lage ist, „mit dem Herzen zu sehen“ wie es Saint Exuperie so treffend beschreibt, der ist im vier Sterne Hotel Laurin bestens aufgehoben. Sonderwünsche werden von der Familie Rossi und ihrem wunderbaren Personal gerne entgegen genommen und mehr als diskret und warmherzig umgesetzt. Wir werden wiederkommen, keine Frage!

Weitere infos & Buchungen unter www.laurinhotelsalo.com


<< zurück | 21.02.2011 - 21:02 - © by Manuel Gollek
© 2017 by DER MICHEL | info@der-michel.de | Das etwas andere Männermagazin