Jesenwang zwei punkt null

Ein Oldtimer ist ein Oldtimer ist ein Oldtimer – so weit so klar… Oder doch nicht? RECHTLICH ist ein Oldtimer ein Fahrzeug, das älter als dreißig Jahre ist...

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Bildquelle: Manuel Gollek

(mg) Über Oldtimer Treffen haben wir ja schon einschlägig berichtet, muss nicht vertieft werden: was aber sicherlich vertieft werden müsste, ist das Verständnis der Organisatoren! Ein Oldtimer ist ein Oldtimer ist ein Oldtimer – so weit so klar… Oder doch nicht? RECHTLICH ist ein Oldtimer ein Fahrzeug, das älter als dreißig Jahre ist, also heute (Oktober 2013) im Oktober 1983 erstmalig zugelassen wurde. Dazu gehören fraglos VW Golf II, FIAT supermirafiori, AUDI quattro und viele andere. Aber Oldtimer? Ich meine: OLDTIMER??? Haben die nicht eigentlich Chrom Stoßtangen, Speichenräder und muffigen Geruch im Wageninneren vorzuweisen?

Ja, es gibt Ausnahmen, zeitlose Erscheinungen, Phänomene sozusagen, die jeder Entwicklung trotzen,  kulturell „ihr Ding“ gemacht haben und gleichsam „ihrer Zeit davon gefahren sind“: fraglos gehört „die Ente“ dazu, ebenso wie „der Käfer“ oder auch „der Landrover“: alle wurden mehr als vierzig Jahre nahezu unverändert produziert und sind auch heute noch gut genug für so manchen Schmunzler am Straßenrand… Zeitgeschichte eben, was muss man da noch weitschweifig schreiben – jeder Leser über 50 hat seine eigene Geschichte dazu, oder nicht? Für diese Fahrzeuge muss es eine Sonderregelung geben, denn sie haben sich eben das Siegel der Zeitlosigkeit erarbeitet.

Die Organisatoren schafften es in der Vergangenheit eigentlich immer sehr schön, Motorräder und Landmaschinen (Traktoren, Zugmaschinen und sonstige Nutzfahrzeuge) separat auszustellen – dies sollte ebenso problemlos für die Generation Golf und Folgemodelle machbar sein. Der Umstand, dass in Jesenwang auch Youngtimer und noch jüngere Fahrzeuge (BMW Z8) auf die Oldtimerwiese durften, hat so manchem eingefleischten Oldie-Fahrer zurecht verärgert. Dass derlei Fahrzeuge dann auch noch ohne das – eigentlich – obligate H-Kennzeichen „am Platz“ standen, ist ein weiteres Zeichen der Despektierlichkeit all jenen gegenüber, die sich brav und ehrlich ihren Status als „Halter historischen Fahrzeuge“ erarbeitet haben. Sich historisch korrekt ein Fahrzeug aufzubauen kostet Zeit, Hinwendung, Geld und Liebe zum Detail  - wenn dieser Umstand nun derart mit Füßen getreten wird, dass ein 67er Mustang neben einem Ford Capri II parkt, dann werden sich auf lange Sicht die Organisatoren einige Fragen gefallen lassen müssen… Dass es einschlägige Fachmagazine mit der korrekten Berichterstattung nicht mehr so genau nehmen, ist hinlänglich ja bekannt: die vermeintlichen „Redakteure“ sind ja überall mittlerweile zu „Wanderhuren“ verkommen! Da wird geschrieben, was der Anzeigenkunde vorgibt, da wird gedealt, wie auf dem türkischen Bazar und sich danach gebrüstet, was für ein (Maul)-Held man gewesen ist… Ausverkauf aller Orten! Man möchte es sich kaum vorstellen: in zehn, zwölf Jahren auf Schloß Dyck: ein Golf I wird als „best of show“ gekürt, ein Horch und ein Bugatti gehen leer aus, weil VW einer DER Sponsoren gewesen ist… Oder in Pebble Beach: ein Cadillac Caprice Classic wird prämiert, ein Düsenberg und ein Studebaker fahren unerwähnt nach Hause? Unmöglich? Phantastisch? NIE möglich?

In dem Nr. One Business der Welt, der Automobil Industrie, ist ALLES möglich: sie haben ALLES in der Hand und „under control“ – ob Sie das mögen oder nicht! Die Frage an Sie geht so: WOLLEN Sie das? Unterstützen Sie das und was würde es bedeuten, dazu NEIN zu sagen?  

Die Alternative? Eigen-Initiative! Schließt euch zusammen, macht euer Ding und – mit Verlaub: Scheißt auf den Rest! Brauchen Oldtimer Besitzer noch Zeitschriften, in denen der 17te Aufguss eines ohnehin schon bekannten Themas thematisiert wird? BRAUCHEN wir das?? Was wir brauchen sind Männer, vom Schlage „ein Mann - ein Wort!“ Männer, die im Team arbeiten können und wollen, Männer, die sagen, was sie meinen und ansonsten ihr Ding machen. Diese Spezies ist selten geworden, dieser Tage – aber: es gibt sie! Männer: findet sie und – um es mit „Udo“ zu sagen: „macht euer Ding – egal, was die anderen sagen!“  

 

Zu den Details auf dem Foto:

Im Vordergrund die Haube eines Opel Kadett C (), links ein FIAT Supermirafiori (1978 - 1981), ein Golf II (1983 – 1992) und ein VW Golf I (1974 – 1983). Im Hintergrund ein silberner BMW, der ebenfalls alle typischen Merkmale eines klassischen Oldtimers entbehrt.


<< zurück | 19.04.2012 - 00:07 - © by Manuel Gollek
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