Der Michel im April

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Foto: www.autofriedhof.ch

Franz Messerli
Unser Michel des Monats schafft den unglaublichen Spagat zwischen Schrottplatz und Kunst! Wobei man heutzutage auch schon den Erhalt eines Schrottplatzes als Kunst bezeichnen könnte.

Eigentlich ist es auch kein Schrottplatz sondern ein Autofriedhof. Franz Messerli hat es geschafft wertvolle Stücke der Geschichte einfach nicht anzufassen und von der Natur vereinnahmen zu lassen.

Walter Messerli, gelernter Zimmermann, wandte sich 1933 vom Holz ab und dem Blech zu. Auf dem elterlichen Hof in Kaufdorf bei Belp BE begann er alte Autos auszuschlachten und mit Ersatzteilen zu handeln. Die ausgehöhlten Automobile liess der Autoliebhaber stehen.


Im Jahre 1975 übernahm Franz Messerli den elterlichen Betrieb. Auch er verschrieb sich mit Leib und Seele dem Handel mit Ersatzteilen. Frühe Pläne, aus dem vom Vater angelegten Autopark ein Freilichtmuseum zu machen, scheiterten. Der umtriebige Alltag verdrängte das Projekt und so liegen sie noch heute da: einzelne Autos aus den 1930er-Jahren, die Mehrzahl aus den 40ern bis 60ern und noch einige aus den 70ern. Aus dem Autopark ist ein Autofriedhof geworden.

Viele Wagen sind in einem bedauernswerten Zustand, doch bei vielen würde sich eine liebevolle Restauration durchaus lohnen. Doch bislang hat Franz Messerli niemanden an seine Oldtimer herangelassen. Und das, obwohl er zum Teil bis zu 10000 Franken und mehr für das eine oder andere Modell geboten bekommen hat - es lagern hier schließlich auch wertvolle Ersatzteile. “Ich sehe den Autofriedhof wie ein Puzzle. Fehlt auch nur ein einziges Teilchen, ist es nie mehr vollständig”, so der Autoverwerter.

Von Studebakers über 1950er Mercedes-Benz 190 SL Roadster, bis hin zu Sunbeam oder Buick. Die Oldtimer wären in einem anderen Zustand zum Teil ein kleines Vermögen wert. Doch selbst so, wie sie hier stehen, bringt es den einen oder anderen Sammler schier zum Verzweifeln, dass Messerli nichts verkaufen möchte.

Allerdings hat das Schweizer Bundesgericht hat ihm Ende 2006 in letzter Instanz dazu verdonnert, den Boden des historischen Friedhofs zu befestigen sowie Benzin- und Ölabscheider zu installieren. Die letzte Frist endet im Oktober 2009. Um den Boden abzudichten, müssten alle Wracks kostspielig exhumiert werden. "Ich wäre ruiniert", sagt Messerli. Sein treuer Diener Brunner zeigt auf die dicken Bäume, die sein Himmelreich nach außen abgrenzen. "Sehen Sie", sagt er, "man müsste all die Bäume fällen, um die Autos herauszubekommen. Ist das etwa Umweltschutz?" Dann zeigt er auf den Heckmotor eines Käfer Cabrio. "Die meisten Triebwerke sind nach all den Jahren trocken, da läuft kein Öl mehr raus", spricht das Faktotum vom Friedhof.

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