Der Fortschritt

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DAS hat uns der Fortschritt gebracht, klarer, eindeutiger und unmissverständlicher kann man es nicht mehr darstellen: TOMTOM (der Navigationsgeräte Hersteller) führt uns durch die Staus dieser Welt - im Stau beworben mit einem LKW der Firma ATU.

Da muss man schon mal nachdenken. Navis: schöne Hilfe, gedachter-maßen. ABER wehe, wenn Urlaub ist oder der Himmel bewölkt oder man NICHT im Ballungsraum lebt oder man im benachbarten Ausland auf Tour ist. DANN kann es schon mal sein, dass man sich – auch als Sanguiniker – bemüßigt fühlt, die technische Neuerung fluchend und in hohem Bogen aus dem Autofenster zu werfen! Zauberhaft auch, wenn einem die vorher eingestellte Stimme im Kreisverkehr verkündet: „Nehmen Sie die zweite Ausfahrt, die dritte Ausfahrt!“ Spätestens dann wird einem der teuer erkaufte komplette Schwachsinn dieser technischen Neuerung offenbar. Man kann sich dann noch entscheiden, ob man den programmierten Unfug von einer Damen- oder Herrenstimme präsentiert bekommt – aber Schwachsinn bleibt Schwachsinn!

DANKE Japan für Deinen Beitrag!

Aber: der Weltuntergang kann ja nicht an den Japanern hängen (obwohl da schon ziemlich viele tote Wale, AKW´s und andere Sünden hängen…) Nein, es geht auch deutsch: mit der Telekom beispielsweise. Was ist passiert? Nur so, als Anekdote am Rande dieser Republik: mein Nachbar schnitt seine Sträucher und Bäume – nichts besonderes. Einer dieser Bäume fiel dummerweise auf das Telefonkabel, weil überirdisch verlegt. Der geschickte Nachbar pfriemelte die Enden der zerrissenen Kabel zusammen, isolierte sie notdürftig und klingelte bei mir, um den Schaden mitzuteilen. Er habe bereits mit dem computerisierten Schadensmeldungsaufnahmesystem der Telekom kommuniziert, aber da gäbe es ja nur Computer, keine Menschen mehr.

Anderntags klingelte mein Telefon, die Störungsstelle der Telekom ging mit mir den Schaden durch. Wir verabredeten einen Termin am Ende der Woche. Auf meine Frage nach Rückruf wurde mir die Unmöglichkeit dieser Bitte erklärt, ein anderer Mitarbeiter würde sich nach 20 Uhr mit mir in Verbindung setzen. Der Termin wurde zwischenzeitlich auch mit dem Nachbarn koordiniert und bestätigt. Frühestens Donnerstag Spät-Nachmittag - früher sei nichts machbar, leider. Als ich am nächsten Morgen (erst DIENSTAG!!!) meiner Frau einen schönen Tag wünschte, meldete sie mir beim Verlassen der Grundstückes, dass die Telekom die Strasse blockierte – worauf ich die Herren interviewte: ja, man habe die Störungsmeldung erhalten und nun bereits behoben. Alles OK! Fortschritt durch Technik? Radio Eriwan würde sagen „Im Prinzip ja, aber…“

Nächstes Beispiel, neulich bei EBAY: ich wollte ein paar Orden einstellen – aus dem zweiten Weltkrieg. Was passierte? Das System entfernte die Offerten binnen Minuten mit dem (an sich richtigen) Hinweis „national sozialistischer Hintergrund“. Die Frage bleibt nach wie vor bestehen, warum EBAY dann überhaupt eine Rubrik „Militaria von 1933 bis 1945“ unterhält? Nach einem entsprechenden Anruf bei EBAY erhielt ich dann auch nur ausweichende Antworten und nichts wirklich Konkretes. Eine – wie originell! – computergenerierte Umfrage-Mail erreichte mich dann zum Thema zwei Tage später. Das Thema blieb unbeantwortet!

Wenn Frau Merkel bei Ihrer Amtsantrittsrede das Bonmot von „einerseits für den Fortschritt und andrerseits die Arbeitslosenzahlen senken“ in die ahnungslose Republik brüllt, möchte man ihr entgegnen „Und wann soll Wasser brennen???“ Ich zweifle am Fortschritt und dessen unfehlbarem Charakter. Zuviel Blödsinn wird in dieser Kirche hoch gehalten. Es wird langsam höchste Eisenbahn, sich den wirklich wichtigen Themen zu widmen! Mit Fortschritt wird das nicht gelingen – es sei denn, jemand formuliert einmal, WOHIN denn dieser so hoch gehaltene Fortschritt denn nun gehen soll! Abschließend sei hier angeregt, sich doch mal in Richtung Butan (ein kleiner Staat im asiatischen Raum…) umzutun: die Menschen dort halten einen „Glückskoeffizienten“ oder so hoch, will meinen: man nehme das örtliche Bruttoinlandsprodukt (bei uns so etwas wie „die heilige Kuh“) und setze diesen Wert mit der durchschnittlichen Zufriedenheit oder dem durchschnittlichen Glücksgefühl der Bevölkerung in Bezug. DIESER Wert dann ist der – für die Regierung!!!! – relevante Wert, der für eine Beurteilung geeignet ist, über Wohl und Wehe des Staates zu entscheiden: na, DAS ist doch mal etwas wirklich ANDERES! Aber, so wie ich das sehe, reisen Frau Merkel und Herr Sarkosi nicht so weit und werden uns „kleinen Bürgern“ somit nicht wirklich etwas nennenswert Gutes zukommen lassen können. Klein und beschränkt – bleibt eben „klein und beschränkt“… Oder, um mit Randy Newman zu sprechen, „short people got no reason to live“…

Nicht, dass es heißt www.der-michel.de nörgelt nur und es gäbe keine Alternativen… Obiges Foto wurde übrigens von unserem Leser Max Schapperer nicht nur dankenswert zur Verfügung gestellt, er stieß damit auch den längst fälligen Beitrag zum Thema „Fortschritt“ an: noch einmal an dieser Stelle ein herzliches „Danke!“.


<< zurück | 27.03.2012 - 00:00 - © by Manuel Gollek
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